12 – Von Pollença zurück an die Küste – Port de Pollença

Die Karte zeigt beide Touren, die von Lluc bis Pollença und den kurzen Rest entlang der Ma-2200, der in einer Tagesetappe mit dem langen Abstieg von Lluc doch zuviel geworden wäre.

Morgens fahren wir nach Pollença, um dieses noch einmal etwas genauer anzusehen. Schmale Gassen, die die Fußgänger in Hauseingänge zwingen, wenn ein Auto kommt, Pflaster von Haus links zu Haus rechts, kein Platz für Fußwege. Einziger Trost, nur Anwohner dürfen in das enge Altstadtgewirr fahren.

Als wir in die Stadt gehen, taucht zuerst die Esglesia de la Mare de Deu del Roser mit einer Ausstellung zum Cavall Bernat, einem steil aus dem Meer ragenden Felsmassiv, von dem 1949 ein großes Stück weggesprengt wurde und viele Künstler zu eigenen Darstellungen des Felsens in seiner neuen Form angeregt hat.

Kirche und Kunst, zunächst noch etwas ungewohnt – Jesus am Kreuz hinter einer Videoinstallation.

Wir laufen die vielen Stufen der Calvari-Treppe hinauf, schauen oben in die Kapelle und gehen dann zum Mirador del Calvari, um den Blick über Stadt und Land(schaft) gleiten zu lassen.

Wieder unten geht es noch in die alte Panaderia, die längst ein Café ist. Petra nimmt den Cortado, ich bleibe beim Americano, dazu statt Kuchen Pa amb tomàquet also Brot mit Tomatenpüree und Rührei bzw. Avocado und als Dessert einen frisch gepressten O-Saft.

Nun geht es zurück nach Port de Pollença. Petra nimmt den Bus, aber mir fehlen die letzten Kilometer des GR 221, also runter zur Römerbrücke Pont Romà.

Dann immer an der Ma-2200 entlang – es gibt etwas schönere Wanderwege. Dieser ist unkompliziert, nicht zu verfehlen und tausend Radfahrer überholen mich auf eigener Radlerspur oder kommen mir entgegen.

Irgendwann nach gut 8 km treffen Petra und ich uns und gehen zur neuen Mole.

Seit etwa 2013 geistert die Idee in meinem Kopf, doch einmal den GR 221 komplett zu laufen, von Port d’Andratx bis Port de Pollença und nun ist es geschafft – fast. Ein Stück fehlt, ich bin es zwar schon gelaufen aber eben nicht diesmal und nicht komplett bis zum Refugi Tossals Verds. Ein klein wenig wurmt es mich.

Trotzdem ist Feierlaune da und wir nehmen im Stay auf der Mole unseren Cava.

Nun haben wir noch einen Tag in Port de Pollença und wandern ins Vall de Bóquer, das sich bei Vogelkundlern großer Beliebtheit erfreut. Eigentlich wollten wir bis runter an den Strand.

Petras Begeisterung für geröllige Abstiege lässt uns bei 40 m oberhalb des Meeresspiegels stoppen. Trotz der Vielzahl an Abwärtspfaden, lässt sich keiner erkennen, der nicht durch Erosion große Stufen und schräge Geröllflächen aufweist. Wir bummeln zurück an einem hübsch befellten Ziegenkind vorbei und – huch – kommen nicht in unser Zimmer. An der Rezeption werden unsere Zugangskarten korrigiert und dann geht es ab in den Pool, den wir schließlich auch mitgemietet haben.

Am letzten Abend in Port de Pollença sind wir „fein Essen gegangen“ im Na Ruixa, gut besucht und das britische Paar am Nebentisch (Apartment im Ort, seit 30 a immer wieder dort, jetzt 1/2 Jahr/Jahr dort lebend) liebt es. Unsere Fischgerichte waren nicht besonders heiß, die Kartoffeln etwas wässrig und das Gemüse sehr ölig. Der Vino blanco de la Casa war auch nicht der Brüller – einfach flach. Nettes Lokal, aber im Sommer soll man dort 1-2 Wochen auf einen Tisch warten, dafür war es uns dann doch nicht die überragende Qualität.

Ich habe keine Seite für die letzten Aktivitäten – sprich Palma – angelegt. Also baue ich hier die letzten Tage ein und räume daheim auf.

Heute geht es per Bus 301 um 10:30 plus etwas in rund 1 h 20 min nach Palma. Wir gehen vom Busbahnhof zum Hotel Nou Baleares und lassen unser Gepäck dort. Erster Rundgang mit Cortado und Americano gegenüber der Kathedrale auf der Meerseite. 9:40 € dafür empfinden wir schon fast als Wucher. Irgendwann zurück ins Hotel, Blick auf die Dachterrasse mit Pool, beides eigentlich geschlossen wegen des Sturms und Schauern am Morgen, duschen und los zum Abendessen. Letztlich entscheiden wir uns für Empanadas und Bier 0,0 % und zum Nachtisch ein Enseimada, um auch das probiert zu haben. Nach schon wieder großes Essen ist uns nicht. Noch ein Wein im Viertel La Llotja, genauer am Plaça de la Dressana.

Dann finden wir noch einen Pseudo-Banksy und gehen zurück in den Hotelinnenhof für einen Abschlusswein.

Neuer Tag – neues Frühstück. Im Nou Baleares kann man das Frühstück auch spontan bekommen und muss nicht für alle Tage vorab buchen. Mit frischem O-Saft, Americano bzw. Café con leche, Croissants, Joghurt natur mit Beerenobst, Rührei, tostadas con tomate im Bauch konnten wir die Sehenswürdigkeiten abklappern, die noch fehlten oder ein zweites oder drittes Mal sein sollten dazu einfach etwas treiben lassen. Das menú del día im vegetarischen Restaurant La mujer de verde gab es um 14:30, um ein paar Tropfen Regen mit einem leckeren Menü zu überbrücken und die Füße etwas ruhen zu lassen. Viele Museen bleiben auch hier montags geschlossen, schade, Es Baluard hätten wir gerne besucht, so blieb es beim Ausblick von dort auf das Viertel La Lonja bis rüber zur Kathedrale.

Der Bummel rüber an der Kathedrale vorbei zu den arabischen Bädern führt über eine Treppe auf der Petra Zug an der umgehängten Tasche verspürt. Sehr nahe hinter ihr war ein Pärchen und der Mann zuckte zurück als Petra ihn anfauchte. Der vorher geschlossene Reißverschluss war schon halb geöffnet. Petra hat schnell kontrolliert, ob etwas fehlt, aber alles war da. Anfangs sind wir weitergegangen, aber dann zurück zur Treppe, wo die beiden gerade Urlauber ansprachen. Wir haben dann beide provokativ beobachtet, so dass klar wurde, dass ein Diebstahl kaum umbemerkt klappen könnte. Sie verschwanden dann schnell und er drohte noch etwas albern mit der Faust. Unbestohlen bzw. mit 3,50 € Eintritt/Person waren wir in den weniger spektakulären Banys Àrabs.

Schluss, nun wird bald geschlafen; denn um 4:30 ist Aufstehen angesagt. Der Flieger ist vorverlegt worden.

Vielleicht noch ein Fazit

Stand heute bin ich in den letzten 17 Tagen 191 km gewandert und dabei 8600 m hoch (700 m hat der Bus übernommen) und das gleiche runter. Dazu kommen noch die „normalen Strecken“ im Haus, zum Bus, bei der Stadbesichtigung, zum Strand, zum Einkaufen usw. Petras Unfall mit der verstauchten Hand hat sie leider im Wanderelan ziemlich ausgebremst. Den (Un-)Weg über den s’Esclop würde ich wieder wählen, aber nur mit Mitreisenden, die solche Wege und Herausforderungen mögen. Die Entscheidung, wann man besser umkehrt oder weitergeht ist manchmal sehr schwer. Mich schmerzt das linke Knie immer noch, obwohl die Arthroskopie und Glättung des weitgehend durchgerissenen Meniskus schon drei Monate zurück liegt. Ist es dann gescheit, seine sieben Sachen im Rucksack zu tragen, statt eine organisierte Reise mit Gepäcktransport zu buchen? Ich wollte es so und bin mit der Entscheidung für mich zufrieden. Ich will von A nach B und dabei kein Taxi, das mein gebügeltes Hemd im Rollkoffer hinter mir her fährt. Wir hatten extremes Wetterglück – würde ich das Gleiche nach 14 Tagen Regen sagen? Ich weiß es nicht.

Insgesamt war es für mich eine tolle Tour und ich könnte morgen wieder losgehen. Ich hoffe, alle die dabei waren, sehen das für sich ähnlich.

E.